Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT)

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Am 17. Mai 2025 wurde in Essen der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) gemeinsam begangen. Der Aktionstag macht weltweit auf Diskriminierungserfahrungen von LSBTINQ-Personen aufmerksam und stärkt das Bewusstsein für Gleichberechtigung, Respekt und gesellschaftliche Teilhabe.

Rund um die Marktkirche gestaltete FELS einen offenen Ort der Begegnung. Unterschiedliche künstlerische Beiträge und Redebeiträge aus dem Forum gaben Einblicke in aktuelle Themen, persönliche Perspektiven und politische Herausforderungen. Zwei Pavillons dienten als Gesprächsinseln und boten Besucher:innen die Möglichkeit zum Austausch, zum Zuhören und zum Nachfragen.

Durch das Programm führte Sven Hensel. Künstlerische Akzente setzten Ms.Foxy Bless sowie Aria Viderci mit ihren Auftritten, die viel Aufmerksamkeit und Zuspruch erhielten. Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge junger Poetry-Slammer:innen, deren Texte von Identität, Mut und dem Wunsch nach einer diskriminierungsfreien Gesellschaft erzählten.

Der IDAHOBIT in Essen zeigte erneut, wie wichtig sichtbare Räume der Solidarität sind. Der 17. Mai war ein Tag des Erinnerns, des Austauschs und der Ermutigung – und ein deutliches Zeichen dafür, dass Vielfalt in Essen gelebt und verteidigt wird.

Vielfalt macht stark

Kundgebung gegen AFD

Anlässlich des AfD Parteitags in Essen haben wir uns am Protestwochenende mit einer eigenen Kundgebung beteiligt. Unter dem Motto „Vielfalt macht stark!“ erinnerten wir an die historischen Stonewall Riots und setzten auf dem Parkplatz P2 der Messe Essen ein sichtbares Zeichen für queeres Leben, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Mit unserer Aktion haben wir deutlich gemacht, dass queere Errungenschaften nicht selbstverständlich sind und weiterhin verteidigt werden müssen. „Wenn eine politische Organisation, die offen antiqueere Politik hoffähig machen will, ausgerechnet an diesem Tag in Essen ihren Parteitag abhält, können und wollen wir nicht wegsehen. Dann müssen wir aufstehen und Präsenz zeigen“, sagte FELS Sprecher Maik Schütz. Die Kundgebung war für uns ein friedlicher Protest und zugleich ein klarer Appell an Politik und Stadtgesellschaft, Vielfalt aktiv zu schützen und zu stärken.

Regenbogenflaggen erstmalig am Rathaus und in der Innenstadt

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Aus Anlass des diesjährigen IDAHOBIT wurde vor dem Essener Rathaus am 17.Mai 2023 von Oberbürgermeister Thomas Kufen und Mario Thiessen, Leiter des TransMann e.V. Essen, die Regenbogenfahne erstmalig gehisst. „Der 17. Mai 1990 markiert einen wichtigen Schritt hin zu mehr Akzeptanz und Toleranz – denn seitdem wird Homosexualität von der WHO nicht mehr als Krankheit beziehungsweise Störung gesehen”, so Oberbürgermeister Thomas Kufen. Neben dem Hissen der Regenbogenfahne am Essener Rathaus wird im Juni ein weiteres sichtbares und dauerhaftes Zeichen für eine bunte und tolerante Stadtgesellschaft gesetzt.

Der Rat der Stadt Essen hatte in seiner März-Sitzung entschieden, dass in der Innenstadt Regenbogenflaggen aufgebracht werden sollen. Vorgesehen ist dies auf der Kettwiger Straße in Höhe der Kreuzung mit der Straße I. Dellbrügge sowie im Bereich der Kreuzung der Limbecker Straße und am Kornmarkt mit der Straße Schwarze Horn.

Stellungnahme zur Ablehnung einer Segnung homosexueller Paare durch Papst Franziskus

In der Glaubenskongregation des Papstes, veröffentlicht am Montag, 15.03.21 wird vom Vatikan festgeschrieben, dass homosexuelle Paare keine Segnung und damit keine Gleichberechtigung in der katholischen Kirche erfahren können. Das widerspricht der Wertschätzung gegenüber jedem Menschen laut Grundgesetz sowie auch dem Recht auf Gleichbehandlung und Teilhabe in der kirchlichen Gemeinschaft.

In Essen blicken wir auf eine über 10jährige Tradition des intensiven und fruchtbaren Gesprächs zwischen FELS und dem Bistum Essen zurück. Das päpstliche "Nein" zu einer Segensfeier für homosexuelle Menschen ist für uns alle eine herbe Enttäuschung. Im Rahmen des Synodalen Weges wurden die Fragen nach sexuellen Identitäten, Sexualmoral und auch Segensfeiern für homosexuelle Paare diskutiert und in konkrete Handlungsempfehlungen verfasst. Dieser Austausch hatte eine beachtliche Breitenwirkung im Bistum Essen. So ist es verständlich, dass auch Bischof Overbeck und Generalvikar Pfeffer erschüttert auf die Glaubenskongregation reagierten. In der Presse distanzierten sie sich von der päpstlichen Synode unter Verweis darauf, dass eine gleichberechtigte Sexualität auf diese Weise von der Kirche nicht angenommen werden kann. Über diese Haltung des Ruhrbistums sind wir sehr froh und wünschen uns als FELS, dass die offenen Gespräche über die Vielfalt partnerschaftlicher Liebe in der katholischen Kirche durch die päpstliche Entscheidung noch intensiviert werden. Das erscheint uns dringend geboten.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Wir fordern die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften und der gelebten Sexualität in der katholischen Kirche, die sich in der Segensfeier äußert.

Handlungskonzept in Zusammenarbeit mit Stadt Essen

Des weiteren wird an der kontinuierlichen Kooperation und Koordination mit der Stadt zur erneuten Überarbeitung des Handlungsprogramms gearbeitet.In diesem Zusammenhang hatte die Stadt Essen die Einrichtung einer Koordinierungsstelle ins Leben gerufen, um die kontinuierliche Umsetzung und Fortschreibung des bereits 1999 vom Rat beschlossenen „Handlungskonzeptes Gleichgeschlechtliche Lebensweisen“, dass mittlerweile in der letzten Auflage von 2024 "Handlungskonzept geschlechtliche und sexuelle Vielfalt" heißt, sicherzustellen und die Zusammenarbeit von Stadt Essen und FELS noch intensiver zu gestalten.

Gedenkveranstaltung zum Theaterskandal 1936 in Essen

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Mit einer Gedenkveranstaltung und anschließender Stolpersteinverlegung im Rahmen der Hirschfeldtage 2014 erinnerte das Schauspiel Essen gemeinsam mit FELS, am Donnerstag, dem 8. Mai im und vor dem Grillo-Theater an die 1936 im Rahmen der NS-Aktion gegen Homosexuelle verfolgten Mitglieder der Essener Bühnen. Dabei wurde speziell Otto Zedlers gedacht, der damals als Schauspieler, Sänger und Regisseur am Grillo-Theater engagiert war und aufgrund seiner sexuellen Orientierung denunziert, verhaftet und verurteilt wurde.

Etwa 80 Besucher besuchten die Lesung unter dem Namen "Das sind Volks-und Staatsfeinde!" der städtischen Bühne, bei der Intendant Christian Tombeil in seiner Begrüßung betonte: "Erinnern statt vergessen, aktiv handeln statt wegschauen - sind für mich ganz persönlich die Beweggründe gewesen, heute die Stolpersteine für denunzierte Theatermitglieder verlegen zu lassen, vor allem weil es dem NS-Regime damals fast gelungen wäre, die Ereignisse unter den Teppich zu kehren. Die Erinnerung an homosexuelle Ensemblemitglieder seien: „...nahezu vollkommen getilgt , weil so wenig Material aus der damaligen Zeit vorhanden ist und die Namen aus den Archiven gelöscht wurden.“, so der Theaterleiter. Dies sei besonders bedauerlich, weil Otto Zedler über drei Jahre Schauspieler und Regisseur aum Grillo-Theater war und so viele Produktionen inszeniert hätte.

Nach einem geschichtlichem Abriss der Verfolgungsaktionen in Essen und des Theaterskandals von 1936 durch Historiker Wolfgang Berude von FELS, zitierten die aktuellen Ensemblemitglieder Jens Ochlast und Tobias Roth aus Gestapo-Vernehmungsprotokollen damals betroffener Schauspielkollegen. Auf Basis des von den Nationalsozialisten 1935 verschärften Paragrafen 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, wurden 1936 schließlich über 50 Verhaftungen und Verurteilungen in die Wege geleitet, die unter anderem auch mit Einlieferungen in Konzentrationslager wie Sachsenhausen, Flossenbürg und Dachau endeten. Dazu gehörten auch Peter Roleff, Choreograf und Ballettänzer und Paul Sträter, Bühnenbildner an den Essener Bühnen bis 1936 und viele andere. Thomas Stempel, Sprecher von FELS betonte: „FELS ist dieses Thema ein besonderes Anliegen und wir finden das es die Aufgabe dieser, unserer Generation ist, das damalige Unrecht aufzudecken. Mehr noch, es gilt das Unrecht auch anzuprangern und aufzuarbeiten und für zukünftige Generationen sichtbar zu machen“. Der Stolperstein für Otto Zedler solle für viele andere denunzierten Mitarbeiter des damaligen Ensembles stehen und sei vielleicht ein Anfang für weitere Steine und Aktionen.

Im Anschluss verlegte dann der Künstler Gunter Demnig in Anwesenheit von Vertretern der Stadt Essen und der Community vor dem Grillo-Theater einen Stolperstein für Otto Zedler. Hinzu kam ein Stolperstein mit der Erklärung: „Wir erinnern an die Gestapo-Aktionen 1936-1938 gegen Homosexuelle Ensemble-Mitglieder denunziert, verhaftet, verurteilt, Schutzhaft, Zuchthaus, KZ-Einweisung, ermordet.“

Die Broschüre kann als PDF heruntergeladen werden: Theaterskandal_Broschuere.pdf

Protest nach negativen Äußerungen durch Ruhrbischof Overbeck

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Nachdem der neue Ruhrbischof Overbeck 2010 in der Anne-Will-Sendung umstrittene Äußerungen tätigte, reagierte FELS prompt mit Protesten. Doch anstatt sich auf Konfrontation zu beschränken, strebte die Organisation einen konstruktiven Dialog mit dem Bistum an. Infolgedessen wurden bedeutende Fortschritte in Bezug auf Akzeptanz und Toleranz erzielt. Durch engagierte Gespräche und den Austausch von Perspektiven gelang es, ein Verständnis für die Anliegen der LSBTINQ-Gemeinschaft zu fördern und Vorurteile abzubauen. Diese Entwicklung ist ein ermutigendes Zeichen für die Bereitschaft zur Veränderung und zum gegenseitigen Respekt, sowohl innerhalb der Kirche als auch in der Gesellschaft insgesamt. FELS' Engagement für einen konstruktiven Dialog hat somit zu einem positiven Wandel beigetragen.

Aufarbeitung der Verfolgung von Schwulen und Lesben während des NS-Zeit

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FELS hat sich intensiv mit der Aufarbeitung und Erinnerung an die Verfolgung von Schwulen und Lesben während der dunklen Ära des Nationalsozialismus beschäftigt. Ein bedeutendes Projekt war die Verlegung von Stolpersteinen vor dem Grillo-Theater, ein bewegendes Gedenken an die Opfer. Diese Stolpersteine sind nicht nur ein symbolischer Akt, sondern dienen auch als konkrete Erinnerung an die Menschen, die unter dem NS-Regime gelitten haben.

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